Opinion

Wenn der Paketbote 2x klingelt. Theorie und Praxis – wie Hermes deine Zeit sparen möchte

Hermes hat angekündigt, seine Zustelltermine genauer ankündigen zu wollen. Aber wo findet man die Zeitfenster-Ankündigungen? Wir haben uns auf die Suche gemacht. Ob wir Erfolg hatten lest ihr in diesem Kommentar.

Hermes möchte uns schenken, was für die meisten von uns ein knappes Gut geworden ist: Zeit. Mehr Zeit sparen durch die Paketzustellung? Nun denn, manchmal dürfte es tatsächlich von Vorteil sein, zu wissen, wann der Paketbote denn nun kommt. Obwohl – mal ehrlich: Wer kann es sich denn leisten, seinen Arbeitstag an einer Paketlieferung auszurichten? Vor allem, weil wir ja nun allesamt immer mehr bestellen – etwa 1,1 Milliarden Pakete waren es im vergangenen Jahr im B2C-Commerce.

Sei dem, wie es sei – der Gedanke ist erstmal nicht verkehrt, denn es soll ja auch ein erster Schritt in einer Reihe hin zur Erfüllung des „Hermes-Immer-Besser-Versprechens“ werden. Und an dessen Ende könnte irgendwann der vom Kunden selbstgewählte Zustellslot stehen – das wäre ein tatsächlicher Gewinn vor allem für außer Haus Berufstätige. Als optional zubuchbaren Premium-Service gibt es den sogar heute schon.

Gut gemeint ist aber bekanntermaßen allzu oft das Gegenteil von gut gemacht und so haben wir uns die Frage gestellt: Wie sieht denn das Hermes-Zeitfenster in der Praxis aus? Funktioniert es? Diese Frage zu beantworten hat uns einige Bestellungen und die Mithilfe vieler Kontakte gekostet, und so richtig wissen wir es immer noch nicht.

Denn aller medienwirksamen Ankündigungen zum Trotz ist eine Zeitfenster-Ankündigung schwieriger zu finden als der Yeti. Oder der Weihnachtsmann. Oder vielleicht sogar beide zusammen.

Lernen, lernen, lernen…

Eine Real-Life-Sichtung der Zeitfenster-Angabe ist uns trotz diverser Suchen auf den unterschiedlichsten Kanälen einfach nicht gelungen – sämtliche Rückmeldungen wussten nur von Lieferungen ohne Zeitangabe zu berichten. Von der Fahndungsaktion bekam auch die Hermes-Pressestelle Wind und hat sich wiederum im eigenen Haus auf die Suche nach Antworten gemacht.

Das Ergebnis der Zeitfenster

Der für die Zeitfensterberechnung eingesetzte lernende Algorithmus ist sich derzeit nicht immer sicher, dass seine Prognosen auch richtig sind. Und um keine falschen Angaben zu machen, wird in diesen Fällen lieber auf die Zeitangabe verzichtet. Grundsätzlich keine verkehrte Vorgehensweise, allerdings scheint es, als hätte der Algorithmus noch einiges zu lernen, bevor er sich als ernstzunehmendes Service-Instrument bewerben lässt.

Immerhin…

… die irreführenden Texte auf der Infoseite zur Paketankündigung werden nach unserer Rückfrage, was sie denn eigentlich bedeuten sollten, wohl kurzfristig geändert. Vielleicht weiß dann auch Otto Normalverbraucher etwas genauer, was ihm die Paketankündigung bringt, und was eben nicht. Wenn der Algorithmus jetzt noch fleißig weiter Daten sammelt und daraus lernt, dann wird die mit viel PR-Tamtam beworbene Zeitfenster-Ankündigung irgendwann vielleicht auch noch gelebte Realität.

Kommen wir dann zwei Stunden früher von der Arbeit nach Hause, weil wir wissen, dass der Paketbote klingelt? Ich wage es zu bezweifeln.

Und die Konkurrenz? Mit der befassen wir uns in den beiden nächsten Teilen unserer Paketboten-Serie. Denn auch DHL und DPD haben so einiges zu bieten in Sachen Logistik-Versprechen.

Möchtest du als Onlinehändler noch ein paar Pluspunkte beim Versand an deine Kunden sammeln? Wir haben hier noch ein paar Tipps für Dich!

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Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner ist Spezialistin für Internationalisierung und Qualitätssicherung in Web & Print, mit einem Schwerpunkt im E-Commerce. Unternehmen aus der digitalen Welt unterstützt sie beim (grenzüberschreitenden) Content Marketing. Als Fachautorin schreibt sie über Themen aus den Bereichen IT, Web und E-Commerce.

10d Kommentare

  1. 5. Dezember 2014 von 08:04 — Antworten

    Gab es nicht auch schon ein Versand-Dienstleister wo man auf der Karte schauen kann, wo sich das Paket-Auto gerade befindet?

    Ich finde diese Sache aber ökonomisch, mein Lieblings-Satz den ich dazu mal vor ein paar Jahren aufgeschnappt habe. Es ist immer besser, wenn 1 Paketfahrer zu 100 Kunden fährt, als wenn 100 Kunden mit ihrem Auto in den Markt fahren. 🙂

  2. 5. Dezember 2014 von 08:52 — Antworten

    Hallo Frank, stimmt, den gibt’s, das ist DPD, damit befassen wir uns gerne noch in einem anderen Artikel ausführlicher…

    Ja, grundsätzlich ist es sicherlich richtig, dass es ökonomischer und auch ökologischer ist, wenn Lieferdienste gezielt und auf optimierten Routen (wenn es die denn gäbe, aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema) Pakete ausliefern, als dass wir alle mit dem Auto zu Einkaufen in die Stadt fahren. Allerdings müsste dann auch das Einkaufsverhalten ähnlich sein. Mir sieht es derzeit angesichts der konstant sinkenden Warenkorbgrößen aber eher danach aus, dass wir immer häufiger immer kleinere Bestellungen tätigen – Angebote wie das Prime-Abo von amazon verleiten natürlich auch dazu. Und dann stimmt das Verhältnis irgendwann vermutlich doch nicht mehr…

    • 5. Dezember 2014 von 09:01 — Antworten

      Da hast Du natürlich Recht, dass ist natürlich ein Problem, wenn man nur wenig oder keine Versandkosten mehr bezahlt. 😉

  3. Karl-W.Euler
    13. Dezember 2014 von 17:55 — Antworten

    wer muss das Zeitfenster ausbaden?
    Der Fahrer. Er hat eine klare Routenvorgabe anhand der Adressen. Zum zweiten anhand der jeweils vor Ort anzutreffenden Verkehrssituation. Dittens den örtlichen Gegebenheiten. Sehr viele Dienstleister garantieren Liefertermine anhand von 9Uhr 10Uhr etc. Zustellung. In der Praxis, s.o. ausgemachter Schwachsinn. Denn das ist selbst von den routiniertesten Fahrern in vorallem Ballungsgebieten kaum zu schaffen. Nicht daß es auch mal normal laufen kann, aber das ist eher die Ausnahme. Und wers nicht glaubt kann sich gerne die passenden Dokumentationen ansehen.

  4. 15. Dezember 2014 von 11:25 — Antworten

    Im Kern absolut richtig. Die Sinnhaftigkeit eines solchen Zeitfensters habe ich im Artikel ja auch schon in Frage gestellt. Neben Verkehrssituation und anderen Unwägbarkeiten haben die Fahrer ja auch noch mit ganz anderen Dingen zu kämpfen. Zum Beispiel liefern sie in vielen Fällen ja nicht nur aus, sondern holen auch bei Versendern ab. Und da die meisten Empfänger vormittags nicht zu Hause sind, werden häufig erstmal die Versender und gewerbliche Empfänger abgeklappert und dann die privaten Empfänger. Mit der Zeit kennen die Fahrer ja ihre Routen und wissen, wo sie um welche Zeit jemanden antreffen können – dass die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort nur selten mit vorgegebenen Routen aufgrund von gewünschten Zeitfenstern übereinstimmt, ist auch klar.

  5. Klaus
    26. Dezember 2014 von 17:15 — Antworten

    und ich habe auch noch so ein verdammtes Problem mit Hermes, mein Fahrer liefert, trotz meiner Anwesenheit, meine Pakete nicht bei mir ab, sondern bei irgendeinem Nachbarn. dreimal in Folge an drei hintereinander liegenden Tagen und das trotz Beschwerde schon am ersten Tag.

    der VN vermerkt, http://blog.myhermes.de/hermesabc/vn/
    kann der Endverbraucher auch nicht auf der Internetseite eines Hermes Formular finden, auch ich als privat versenden habe keine Lust meine Pakete bei irgendeinem Nachbarn hinterlegt zu wissen.

    ich bin dazu übergegangen bei Bestellungen prinzipiell den Versender zu verpflichten, Paketsendung nur mit “Verbot der Nachbarschaftsabgabe“ zu versenden. Kommt das Paket mit irgendeinem anderen als von mir vorgegebenen Versandweg, wird die Annahme verweigert oder über eine Nachbar, bleibt es liegen! bis es der Händler durch Recherche verstellt und abholen lässt.

    der Kunde bestimmt!

    es gibt so schöne Möglichkeiten es vernünftig zu steuern, bei Versandaufgabe erhält der Kunde schon die Information per Internet das das Paket dem Paketdienst erreicht hat, nun reicht schon einmal die Eingabe meiner Anwesenheit am vorraussichtlicher Übergabetag um es vernünftig steuern zu können. Ich habe gar kein Problem wenn der Paketbote bei mir um 22:00 Uhr klingelt.geht bedeutend schneller als wenn er von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr kommt, dann kann er von mir aus hundertmal klingen, null Chance.

    auf den Bordcomputer geschaut, der nächste Stopp, bei Schmidt Lehmann Schulze ab 18:00 Uhr. Also brauche er gar nicht hinfahren.

  6. andre
    15. Januar 2015 von 14:08 — Antworten

    Klaus

    Mal ganz ehrlich . Geh bitte im örtlichen Handel einkaufen. wer bitte schön soll noch um 22 uhr arbeiten,wenn er um 5 uhr schon anfängt? Ein Kreuz und querfahren wie du dir das denkst kostet sehr viel Zeit und dementsprechend auch Diesel usw.
    Zum Hermes Zeitfenster. Es hilft nichts und bringt auch nichts. die kunden die vorher nicht da waren sind auch jetzt nicht da und diejenigen die sonst da sind bekommen ihre Pakete fast immer um die gleiche Zeit bei Stammfahrern. Aushilfsfahrer und Springer könenn sich an die Zeitvorgaben kaum halten,weil sie teilweise anders fahren udn auch länger rbauchen weil sie sich nicht auskennen.

  7. Ruediger Schmitt
    17. Januar 2015 von 18:26 — Antworten

    Wenn der Paketzusteller (DHL) durch seinen Fehler eine falsche Eingabe in sein Paketzustellgerät gemacht hat und ich mich einwandfrei als Empänger mit Personalausweis identifiziere, war es dem Zusteller nicht mehr möglich diese Eingabe zu berichtigen, vielmehr ist dieser der Meinung dass das Paket aufgrund seienr falschen Idenitätsprüfung die dann “negativ” anzeigtewieder an den Empfägner zurückgeschickt werden müsse.
    Selten so einen Schwachsinn erlebt

  8. Petra Göschel-Tabatabaei
    14. Oktober 2016 von 19:40 — Antworten

    das Zeitfenster nutzt gar nichts.
    Sollte heute meine Sim-Karte zwischen 10.30 und 13.30 erhalten. Jetzt ist es 19.30, und wer war nicht hier? Hermes.
    Bin hier festgenagelt, da die Sendung ja auch nur gegen Ausweis ausgehändigt wird.
    Bei Hermes angerufen, nach 10 Minuten endlich jemand am Telefon, beantwortet nicht meine Frage nach dem Verbleib des Paketes sondern legt einfach auf.

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