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Sind Pinterest und Instagram wirklich interessant für deutsche Onlinehändler?

Pinterest mausert sich zur Top-Referral-Plattform und Onlinehändler partizipieren von der Traffic-Schleuder. Das ist echter Social Commerce und macht das Netzwerk als Verkaufskanal für Onlineshops interessant.

Social-Media-Kanäle können Onlinehändlern dabei helfen Ihre Marken zu festigen, Serviceleistungen und Produkte durch Empfehlungen hervorzuheben und den Abverkauf zu steigern. Das funktioniert zum Beispiel beim größten sozialen Netzwerk Facebook, im Video-Kanal YouTube oder auch auf Twitter – und selbst auf Google+ lassen sich zumindest SEO-Effekte erzielen. Hier werden Inhalte veröffentlicht und mit Werbebudgets gepusht und zusätzliche Reichweite aufgebaut.

Bisher nicht eindeutig belegt ist, ob das auch auf den Plattformen Instagram und Pinterest funktioniert. Hier teilen die Nutzer in erster Linie Bilder – Fotos von Produkten aus Onlineshops oder aus dem realen Leben.

Bleibt also die Frage, welche Potenziale Pinterest für deinen Onlineshop hat:

Bilder in der Online-Kommunikation von Onlinehändlern

Mit Bildern erzielst du Emotionen, als Onlinehändler kannst du dadurch eine eine nähere Beziehung zum Kunden herstellen. User, die hippe Partygänger beim Espresso vor der Schlacht sehen, fühlen sich persönlich angesprochen. Oder Kaffee-Experten, die ein Bild mit einer frisch gerösteten Bohne im Auffangbecken einer Röstmaschine betrachten – eine freigestellte Tasse Kaffee wäre hier ebenso wenig verkaufsfördernd wie 3-4 Bohnen im Close Up. So werden Geschichten geschrieben und Stimmungen transportiert. Das gelingt mit Text und Sprache bedingt, aber nachweislich sehr gut mit Bildern.

Produktbilder in sozialen Netzwerken steigern die Interaktionsrate

Bilder, als Posts auf Facebook verbreitet, erzielen bei den großen und kleinen Marken die höchsten Interaktionsraten im Vergleich zu Text- und Linkposts. Natürlich ist auch hier ein wenig Kreativität gefragt – eine freigestellte Pfanne oder Elektrozigarette sind nicht so spannend wie dieselben Produkte in den Händen eines Mitvierzigers in einer fröhlichen Runde Gleichgesinnter. Stock-Fotografie-Datenbanken sind hier ein erster Weg. Solche Bilder lassen sich unter der Verwendung von Templates individualisieren. Das Ganze sollte in eine mittelfristige Content-Strategie eingebunden sein und relevante Geschichten rund um Marken, Produkte und Dienstleistungen aufbauen.

Produktbilder auf Instagram veröffentlichen

Auf Instagram lassen sich Fotos über die Mobile-App einstellen oder über den PC mittels BlueStacks veröffentlichen. Der zu Facebook gehörende Social-Media-Kanal ist entstanden und groß geworden, weil Nutzer die Filtereinstellungen schätzten, die Farbfiltern in der analogen Fotografie sehr nahe kommen. Das steht bei Corporate-Accounts jedoch nicht mehr im Vordergrund wie zum Beispiel der Screenshot von http://instagram.com/adidas zeigt.

Tolle Fotofilter von Instagram stehen für Corporate Accounts nicht mehr im Vordergrund (Screenshot: Instagram.com/adidas)

Schön, oder? (Screenshot: Instagram.com/adidas)

http://instagram.com/nike beispielsweise führt schön vor, dass es gleichermaßen mit fotografisch anspruchsvollen Bildkompositionen geht. Deutlich mehr abverkauforientiert nutzt der Händler Bluetomato den Kanal: http://instagram.com/bluetomato.

Kampagnen-Hashtags auf Instagram verwenden

Um Kampagnen-Bilder von Nutzern der eigenen Marke zuordnen zu können, animiert man die Nutzer ihre Bilder mit einem #Tag zu versehen. Profilbetreiber können diesen Kampagnen-Hashtag auch für ihre eigene Bilder verwenden.

Pinterest für Onlineshops nutzen – Referral-Traffic generieren

Etwas anders tickt das soziale Netzwerk Pinterest. Es ist der optimale Traffic-Lieferant. Wenn du emotionale Bilder zu deinen Produkten und Marken kreieren kannst, wirst du hiermit punkten. Auf Pinterest stellen Nutzer Pinboards nach ihren eigenen Interessen zusammen – ganz so wie auf der guten alten Kork-Pinnwand oder am Kühlschrank mit Magneten. Das ist viel natürlicher als wenn Marken sich präsentieren. Die Werbekraft geht hier originär von der potenziellen Kundschaft aus. Im Vordergrund der Content-Strategie steht es, die Nutzer dazu zu bewegen, eigene Inhalte zu repinnen.

Das kann sich lohnen, denn von Pinterest geht zwar noch nicht soviel Referral-Traffic aus wie von Facebook, aber anteilig hat das Netzwerk die Nase vor allen anderen sozialen Netzwerken vorn:

Wird Pinterest doch bald zur Nummer 1 in Deutschland? (Quelle: Shareaholic.com)

Wird Pinterest doch bald zur Nummer 1 in Deutschland? (Quelle: Shareaholic.com)

„Move over Zuck“ lautete unlängst die Schlagzeile des US-amerikanischen Wirtschafts-Magazins Forbes. Denn Grundlage für diesen starken und wirtschaftlich interessanten Referral-Traffic sind auch die täglichen Millionen Zugriffe auf der Pinterest Website und der mobilen App.

Was ist Referral-Traffic von Pinterest?

Referral-Traffic nennt man Klicks von Nutzern, die durch die Verbreitung von Inhalten in sozialen Netzwerken entstehen. Zum einen entsteht er durch Links in Posts auf Facebook, Google+ oder Twitter direkt durch die Anzeige des Posts im Stream der Follower, zum anderen bei Werbeanzeigen durch die Targeting Group und viral bei geteilten Inhalten.

Oben rechts Pinterest: Jeder re-pin bringt Traffic auf die Herkunfts-URL (Screenshot:  onepiece.com)

Oben rechts Pinterest: Jeder re-pin bringt Traffic auf die Herkunfts-URL (Screenshot: onepiece.com)

Wie generieren Onlineshops Referral-Traffic von Pinterest-Unternehmensprofilen

Bei Pinterest hängt an jedem Bild die Herkunfts-URL. Pinnen Onlineshops selbst ihre Produkte auf thematisch geordneten Boards und schaffen es, hier Follower zu bewegen die Pins zu repinnen, wird der Link von der eigenen, verifizierten Website mit angehängt.

Integration von Pinterest im Onlineshop

Eine größere Rolle spielt hier aber die optimale Integration der Teilen-Buttons innerhalb des Onlineshops. Die User im angelsächsischen Raum nutzen Pinterest genau so. Sie sind Spezialisten für Mode, Kosmetik, Interior-Design, Accessoires, Kaffee, Wein etc. und haben eine entsprechende ‘Followerschaft’.

Diese Multiplikatoren kreieren Boards of Interest, denen andere folgen. Pinterest-Boards gleichen somit Experten-Blogs zu bestimmten Themen. In einer Content-Strategie gilt es zunächst, diese Multiplikatoren zu identifizieren und etwa durch Folgen und Re-Folgen zu Markenbotschaftern werden zu lassen.

Rich Pins von Pinterest im Code des Shops implementieren

Es gibt fünf Arten von Rich Pins: Filme, Rezepte, Produkte, Artikel und Orte. Diese werden mittels Metatags in Ihren Webshop integriert (https://developers.pinterest.com/rich_pins_product/)

Bei Product-Pins werden so Produktdetails wie Preis, Verfügbarkeit, Product-ID, Marke etc. direkt beim Pinnen übermittelt – und auch später aktualisiert. Der Einsatz von Rich Pins ist die optimale Integration des sozialen Netzwerks in den Marketing-Mix. Die Darstellung von Daten, die für eine Kaufentscheidung relevant sind, ermöglichen innerhalb des Netzwerks echte Social-Commerce-Experience für den Nutzer.

Fazit Instagram und Pinterest für Onlineshops

Onlineshops, die in den Social-Media aktiv sind, sollten vor allem Pinterest ernst nehmen. Das Netzwerk expandiert zur Zeit stark, ein neues Investment ist abzusehen und wird die Internationalisierung vorantreiben. Damit wird auch die Reichweite in Europa und Deutschland steigen. Wer hier von Anfang an im Onlineshop und mit einer eigenen Präsenz seine Hausaufgaben macht, wird mit Referral-Traffic in der Lage sein, wirtschaftliche Vorteile über die Verbreitung der eigenen Inhalte zu erzielen.

Weitere Tipps und Tricks für erfolgreiches Social-Media-Marketing findest du in unserem Shop-Kompendium.

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Tomas Renner Jones

Tomas Renner Jones

Tomas war in verschiedenen Positionen für Internet-Start-Ups als Bereichsleiter international verantwortlich. Seit 2010 berät er eigenständig Unternehmen bei e-commerce und Online-Marketing mit Schwerpunkt Technologie und Social Media Strategie. Er doziert als Lehrbeauftragter an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin Social Media Marketing and Cloud Computing. Und der bloggt als freier Onlinejournalist zum Thema Internet-Technologien.

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