Opinion

Paydirekt – Ein Schneckenrennen Made in Germany

Ja, es ist richtig, dass deutsche Online-Käufer großen Wert auf eine komfortable und vertrauenswürdige Bezahlfunktion im E-Commerce legen. Es ist ebenfalls wahr, dass die Konversionsrate arg leidet, wenn eine solche im Webshop der Wahl nicht vorhanden ist. Und, auch wenn es schmerzt, etwas altbacken und nationalistisch klingt: Deutsche Konsumenten vertrauen, gerade in Zeiten von NSA & Co, eher deutschen Partnern als amerikanischen Unternehmen, wenn es um ihre sensiblen Kontodaten geht.

Die Lage scheint also auf den ersten und auch zweiten Blick erfreulich übersichtlich und klar: Wir brauchen im Onlinehandel des größten und kaufkräftigsten europäischen Marktes einen Bezahldienst, der eine große Reichweite mit hoher Vertrauenswürdigkeit beim Kunden Dank lokaler Verankerung verbindet.

Eine Steilvorlage für die deutsche Kreditwirtschaft also, die, wie wir in der Stadionkurve zu sagen pflegen, selbst ein Einbeiniger locker im ersten Versuch in ein Tor verwandeln würde.

Und was machen die deutschen Banker aus dieser Vorlage?

Sagenhafte 15 Jahre nachdem mutige US-amerikanische Pioniere Paypal aus der Taufe gehoben haben, wird nun bekannt, dass der Bezahldienst der deutschen Kreditinstitute mit dem Namen Paydirekt zunächst ohne die meisten Sparkassen, und damit natürlich auch ohne den Großteil von deren 47 Millionen Girokonteninhabern, an den Start gehen wird. Man arbeite mit Hochdruck daran, um beim Start „mit ausgewählten Sparkassen und Teilnehmern mit an Bord zu sein“, erklärte ein Sprecher des Sparkassenverbands DSGV gegenüber heise online.

Die ganze Meldung kannst du HIER nachlesen!

Angesichts dieser Schlafmützigkeit mag sich so mancher verwundert die Augen reiben, andere werden dieses Schneckenrennen ‚Made in Germany‘ mit einem Kopfschütteln begleiten und wieder andere, nämlich Paypal, werden die Champagnerkorken knallen lassen.

An diesem Versprechen stimmt was nicht... (Screenshot: vb-mosbach.de)

An diesem Versprechen stimmt was nicht… (Screenshot: vb-mosbach.de)

Was nützt es eigentlich, wenn deutsche Eliten aus Politik und Wirtschaft regelmäßig mit dem obligatorisch offenen Hemdkragen von ihren Exkursionen ins kalifornische Silicon Valley zurückkehren und mit leuchtenden Augen vom dortigen Pionier- und Gründergeist schwärmen, nur um anschließend wieder den Nadelstreifenanzug nebst Krawatte anzulegen sowie Innovations- und Risikofreude gegen teutonischen Kleingeist und Bedenkenträgertum eintauschen?

Frei nach Larry Page möchte man ihnen zurufen:

„Eine Königin hat keine Angst zu scheitern. Scheitern ist ein weiteres Sprungbrett zur Größe.“

Was sagt ihr dazu? Lasst uns kommentieren!

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Frank Zimmermann

Frank Zimmermann

Frank ist mit seinem Unternehmen FCZ PR seit 2003 selbständiger Kommunikationsberater. Seine Kernkompetenzen sind E-commerce, IT im Allgemeinen und die Finanzdienstleistungsbranche. Neben Corporate Communications ist die Krisenkommunikation seine Passion. Zuvor war Frank als Managing Director des Standortes Frankfurt der PR-Agentur Weber Shandwick tätig.

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