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Einfach zahlen: 10 Tipps für einen erfolgreichen Check-Out

Was mögen Kunden am wenigsten beim Einkaufen? Das Bezahlen, klar. Nicht nur, weil dabei ihr hart verdientes Geld den Besitzer wechselt, sondern im Online-Handel vor allem auch deshalb, weil immer eine gewisse Unsicherheit mitschwingt. Bezahle ich auch wirklich nur für das, was ich kaufe? Kann ich dem Händler vertrauen? Und dem Zahlungsanbieter auch? Und außerdem: Immer wieder Kreditkartendaten eingeben, geht das nicht anders?

Nur: Wenn ein Kunde nicht bezahlt, dann kauft er auch nicht. Wir verraten euch deshalb, was ihr tun könnt, um euren Kunden das Bezahlen in eurem Shop so angenehm wie möglich zu machen.

1. Biete eine Auswahl!

Eigentlich selbstverständlich, aber man kann es gar nicht oft genug sagen: Wenn man eure Waren nur per Vorkasse oder vielleicht noch einer teuren Nachnahmeoption bezahlen kann, könnt ihr es auch gleich bleiben lassen. Damit für jeden etwas dabei ist, solltet ihr in eurem Shop schon ein paar verschiedene Zahlungsmöglichkeiten anbieten.

Dabei kommt die konkrete Zusammenstellung des Payment-Mix auch auf eure Zielgruppe an. Bei konservativeren, älteren Kunden sollte die Bezahlung auf Rechnung auf jeden Fall dabei sein. Für nur halbwegs online-affine Kunden ist PayPal ein Muss. Wenn ihr besonders aufgeschlossene, junge Kunden habt, könnt ihr auch mit ausgefalleneren Zahlungsweisen wie bspw. Bitcoin punkten. Und wenn eure Zielgruppe eher breitgefächert ist, dann sollte euer Shop auch auf unterschiedlichste Zahlungsgewohnheiten vorbereitet sein.

Avocadostore- Zahlungsarten

Bezahlen mit Bitcoin? Für die richtige Zielgruppe durchaus ein Anreiz. (Screenshot: avocadostore.de)

2. Bequeme und schnelle Payment-Pages halten den Kunden bei Laune

Gerade für online-affine Vielbesteller kommt es vor allem auf Schnelligkeit an. Bei jeder Bestellung durch’s ganze Haus laufen und die Kreditkarte suchen, um dann Zahlenkolonnen ins Formular einzugeben? Nervt. Hier können Zahlungsoptionen wie PayPal oder auch „Bezahlen mit Amazon“ Abhilfe schaffen. Wer bereits ein Amazon-Konto hat, braucht dann weder seine Kreditkartendaten noch seine Versandadresse eingeben, denn auch die hat Amazon ja schon.

Damit die Nutzung dieser Dienste wirklich Zeit spart, bietet es sich an, den Zahlungsanbieter auch als die Abkürzung zu benutzen, die er sein kann und das „Abbiegen“ schon im Warenkorb zu ermöglichen – und nicht erst nach dem Eingeben aller Daten auf der letzten Checkout-Seite.

Apropos Abbiegen: Darin liegt tatsächlich der größte Nachteil dieser Zahlungsarten. Wer während des Bestellprozesses auf eine andere Seite geleitet wird, läuft immer Gefahr, sich plötzlich nicht mehr zurechtzufinden, oder einfach nicht mehr zurückzukommen. Besonders konfus kann das selbst für geübte Online-Shopper werden, wenn zum Beispiel Virensoftware wie Kaspersky installiert ist, die für SSL-Verbindungen extra-sichere „geschützte“ Fenster aufmacht. Dann die Bestellbestätigungsseite wiederzufinden, ist manchmal ein echtes Kunststück. Eure Prozesse sollten deshalb gut durchdacht sein, und auf jeden Fall sollte der Kunde für den Fall, dass er tatsächlich nicht in euren Shop zurückfindet, eine Bestätigung per E-Mail bekommen, dass Bestellung und Zahlung abgeschlossen sind.

3. Halte den Checkout-Bereich in einheitlicher Optik!

Damit Kunden immer wissen, wo sie sind, ist eine einheitliche Optik über den gesamten Checkout- und damit auch über den Zahlungsprozess wichtig. Solange ihr in eurem eigenen Shop seid, habt ihr das zumindest selbst in der Hand. Wenn Online-Zahlungsanbieter ins Spiel kommen, geht das allerdings nicht immer so, wie man sich das wünschen würde. Die PayPal-Seite sieht nunmal aus wie eine PayPal-Seite.

Ein bisschen anpassen könnt ihr sie aber schon. Als Minimum solltet ihr euer Logo bei PayPal hinterlegen, damit der Kunde wenigstens einen kleinen Wiedererkennungseffekt hat – erstaunlich wenige Shops nutzen diese Möglichkeit. Darüber hinaus könnt ihr die Seite auch noch weiter an euer Shopdesign anpassen. Wie das geht, verrät Euch PayPal in einer Anleitung für Benutzerdefinierte Zahlungsseiten.

Thomann - PayPal-Zahlung

Mindestens euer Logo sollte auf der PayPal-Zahlungsseite als Wiedererkennungsfaktor auftauchen. (Screenshot: PayPal.com)

4. Gestalte Wegweiser in wiedererkennbaren Farben!

Nicht nur auf fremden Zahlungsseiten, auch im eigenen Shop solltet ihr dafür sorgen, dass der Kunde immer genau weiß, wo’s langgeht. Dafür ist vor allem die grafische Darstellung von Call-to-Action-Elementen im Checkout entscheidend. Die sollten eine einheitliche Darstellung haben und auf den ersten Blick als solche erkennbar sein.

Checkout in Orange Notebooksbilliger

Wo’s Orange ist, geht’s weiter… (Screenshots: notebooksbilliger.de)

5. Zurückhaltung bei der Datenabfrage

Was für den Checkout allgemein gilt, gilt in besonderem Maße für Zahlungsdaten: Fragt nur die Daten ab, die ihr auch tatsächlich braucht. Wenn der Kunde weniger Daten und Zahlen eingeben muss, geht die Zahlung nicht nur schneller, er fühlt sich auch sicherer. Also: Übt euch in Zurückhaltung. Und überprüft beispielsweise genau, ob ihr wirklich eine Lieferadresse braucht, wenn ihr digitale Produkte oder Dienstleistungen verkauft.

Dazu gehört auch, dass ihr eure Kunden nicht zwingen solltet, ein Kundenkonto anzulegen. Die Möglichkeit zum Gast-Checkout erhöht die Konversionsrate. Und wenn ihr auf die nicht von der Hand zu weisenden Vorteile eines registrierten Nutzers nicht verzichten möchtet: Wie wäre es denn, wenn ihr dem Kunden nach Abschluss der Bestellung ermöglicht, durch Ergänzung eines Passworts doch noch ein Kundenkonto anzulegen, zum Beispiel, um den Lieferstatus der Bestellung besser verfolgen zu können?

6. Erleichtere Korrektur-Eingaben!

Wo Daten eingegeben werden, da passieren Fehler. Jeder vertippt oder verliest sich mal, besonders gern bei langen Zahlenreihen. Macht es euren Kunden so einfach wie möglich, Eingabefehler zu korrigieren. Wenn bei einem Fehler in der Kreditkartennummer plötzlich alle bislang eingegebenen Daten wieder weg sind, ist der Kunde schneller weg als ihr „ups“ sagen könnt.

Sagt dem Kunden genau, was schiefgelaufen ist – und wo. Am besten, indem ihr die Fehlermeldungen direkt am jeweiligen Feld platziert und natürlich optisch hervorhebt.

exxpozed Fehlermeldung bei Kreditkarteneingabe

Richtig platzierte Fehlermeldungen erleichtern das Korrigieren. (Screenshot: exxpozed.de)

7. Keine Übertragung ohne SSL

Wenn der Kunde sich und seine Zahlungsdaten sicher aufgehoben weiß, kauft er mit einem besseren Gefühl ein. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum ihr euch über die Sicherheit der Datenübertragung Gedanken machen solltet.

Selbst für Kontaktformulare gilt inzwischen: keine Übertragung ohne SSL. Für den Bestellprozess ist die verschlüsselte Übertragung von Kundeneingaben aus rechtlicher Sicht schon lange ein Muss. Dabei ist Schlüssel nicht gleich Schlüssel – für die Übertragung von persönlichen Daten sollten 2048-Bit-Schlüssel zum Einsatz kommen, um der Forderung der Rechtssprechung nach einem Schutz der Daten „nach aktuellem Stand der Technik“ zu entsprechen.

Damit Kundendaten auch in E-Mails (also etwa Bestellbestätigungen) geschützt sind, solltet ihr außerdem einen Mailserver nutzen, der eine sogenannte „opportunistische Transportverschlüsselung mittels SSL/TLS“ unterstützt.

8. Schaffe Vertrauen in deinen Check-Out!

Die sichere Übertragung und Speicherung von Kundendaten ist Grundvoraussetzung. Für einen großen Vertrauensvorschuss seitens des Kunden reicht das noch nicht. Gerade im Moment der Zahlung ist es aber wichtig, dass der Kunde euch vertraut. Wie ihr das anstellen könnt? Was ihr in eurem Shop allgemein tun könnt, um das Vertrauen eurer Kunden zu gewinnen, haben wir euch schon vor einiger Zeit in einem entsprechenden Artikel erläutert. Im Moment der Zahlung sind die wichtigsten Aspekte:

  • Seriosität und Professionalität: Fehlerfreie Texte, moderne Optik, stabile, funktionierende Prozesse.
  • Transparenz und Offenheit: Frühzeitige Info über alle anfallenden Kosten. Klarer, intuitiv erfassbarer Ablauf.
  • Kontakt und Kommunikation: Bietet euren Kunden die Möglichkeit, sich mit euch in Verbindung zu setzen, wenn etwas nicht klappt. Etwa über eine Telefonnummer oder eine Chat-Funktion. Aber nur, wenn auch jemand da ist, der Fragen wirklich beantworten kann.
  • Zertifizierungen und Gütesiegel: Ihr seid ein geprüfter Online-Shop, habt ein EHI-, TÜV- oder Trusted Shops-Gütesiegel? Dann sollte das natürlich auch auf der Payment-Seite gut sichtbar sein. Versteht sich, oder?
endless-skate.de

Gütesiegel und Kontaktmöglichkeit immer im Blick. (Screenshot: endless-skate.de)

9. Stelle keine Süßigkeiten in den Weg!

Ablenkung ist der größte Feind des Checkout. Wenn eure Kunden sich für eines oder mehrere Produkte entschieden haben, sollte sie nach Möglichkeit nichts von ihrem Weg abbringen. Das gilt für den gesamten Checkout und natürlich auch für die Zahlung. Cross-Selling-Angebote dürfen höchstens noch im Warenkorb vorkommen – auf der Zahlungsseite haben sie nichts mehr verloren. Aktuelle Angebote oder gar Werbung erst recht nicht. Hat der Kunde einmal auf „Zur Kasse“ geklickt, solltet ihr ihm – anders als im stationären Handel – keine Süßigkeitenstände in den Weg stellen, sondern die Waren auf dem schnellsten Weg über den Scanner ziehen und ihm den Kassenbon in die Hand drücken. Dafür kann es hilfreich sein, sämtliche Shopnavigation verschwinden zu lassen und in ein separates Checkout-Layout zu wechseln. Aber Achtung: Allzu anders sollten die Seiten nicht aussehen (siehe Punkt 4)…

 

amazon Checkout - Bloß keine Ablenkung

Bloß nicht ablenken lassen: Auf den amazon-Bestellseiten ist noch nicht einmal das Logo klickbar. (Screenshot: amazon.de)

10. Mach es günstiger statt teurer!

Keiner zahlt gerne drauf. Wenn eure Kunden bei der Nutzung ihrer liebsten Zahlungsweise Zusatzkosten bezahlen müssen, und seien es nur wenige Cent, ärgert sie das. Warum macht ihr es nicht andersherum? Statt PayPal teurer zu machen, macht zum Beispiel Vorkasse günstiger: 2 Prozent oder 3 Prozent Vorkassenrabatt werden den ein oder anderen Kunden durchaus dazu bewegen können, die Zahlung vorab in Erwägung zu ziehen. Und auch Rabatte für besondere Produkte könnt ihr mal an eine konkrete Zahlungsart knüpfen. Wenn ihr damit schon auf der Produktseite werbt, ist das ein interessanter Kaufanreiz, für den man sicher auch mal auf die bequemere Zahlungsweise verzichtet.

Ihr seht – auch mit Zahlungsmethoden lässt sich durchaus variabel umgehen. Probiert doch die unterschiedlichen Herangehensweisen mal aus und beobachtet, wie die Kundenreaktionen sind. Zum Beispiel mit einem gezielten A/B-Testing. Denn wenn ihr wisst, wie eure Kunden am liebsten zahlen, könnt ihr diese Erkenntnisse für eine Optimierung eures Checkouts und eures Payment Mix nutzen. Und mehr verkaufen.

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Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner ist Spezialistin für Internationalisierung und Qualitätssicherung in Web & Print, mit einem Schwerpunkt im E-Commerce. Unternehmen aus der digitalen Welt unterstützt sie beim (grenzüberschreitenden) Content Marketing. Als Fachautorin schreibt sie über Themen aus den Bereichen IT, Web und E-Commerce.

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