Strategie & Planung

Eigener Online-Shop: Herausforderungen für den Händler – Teil 4

Das Leben als Shop-Betreiber ist super spannend und bietet große Chancen. Aber auch im stetig wachsenden E-Commerce-Markt ist nicht alles eitel Sonnenschein. Wer unter die E-Händler gehen möchte, braucht für sein Startup nicht nur eine gute Produkt- oder Shopidee, sondern auch einige persönliche Eigenschaften und private Voraussetzungen, denn das Leben als Online-Händler bringt so manche Herausforderung mit sich.

Der Beginn als Online-Händler

Die Weisheit ist so alt wie wahr: Wer selbstständig arbeitet, kann sich kaum auf einen geregelten Feierabend verlassen. Und einen Online-Shop zu betreiben, ist viel Arbeit. Zwar gibt es durchaus auch die Momente, in denen es sich anfühlt, als würde man im Schlaf Geld verdienen – zum Beispiel, wenn man morgens aufwacht und in der Nacht 10 Bestellungen eingegangen sind. Aber damit fängt die Arbeit ja genau genommen erst an – zumindest wenn ihr den Versand selber stemmen wollt. Und auch wenn nicht, bleibt für den Rest des Tages noch genug zu tun – Ausruhen kann man sich auf dem erreichten Erfolg nicht lange, wenn es weiter gehen soll.

Immer am Ball bleiben

Das liegt unter anderem daran, dass der E-Commerce inzwischen zu einem wahren Haifischbecken geworden ist. Gegen tausende von kleinen und einige übermächtige große Mitbewerber anzukommen, ist ein Ganztagsjob, für den ihr immer am Ball bleiben müsst. Jede Menge erfolgreiche Nischenshops zeigen, dass das gehen kann – wenn man den richtigen Weg findet.

Der Markt ist konstant in Bewegung – so wie du?

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass der Markt immer in Bewegung ist. Deshalb hilft es, wenn ihr offen für Neues seid, und ein Ohr immer am Markt habt. Das heißt: Informiert euch, lest aktuelle Blogs wie dieses hier und tauscht euch mit anderen über gute und schlechte Erfahrungen aus. Wenn ihr aktuelle Trends und Neuerungen zeitnah mitbekommt, könnt ihr auch darauf reagieren – und solltet das auch tun.

Entscheidungen treffen und dazu stehen

Damit ihr das hinbekommt, solltet ihr in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen. Soll der aktuellste Hype mitgemacht werden oder nicht? Braucht ihr einen Instagram-Account? Welche Gutschein-Aktionen sind sinnvoll für euer Weihnachtsgeschäft? Wie reagiert ihr auf Reklamationen? Im Geschäft mit Kunden und im Kampf um Marktanteile müsst ihr ständig und immer reagieren – ein klarer Kopf und ein gutes Bauchgefühl für Entscheidungen sind dabei hilfreich.

Rechtliche Aspekte bedenken

Einen klaren Kopf gilt es auch bei einem der unangenehmsten Themen des E-Commerce zu behalten: den Abmahnungen. Es gibt inzwischen kaum noch einen Shop, der davon verschont geblieben ist, und ihr könnt euch noch so sehr bemühen, alles richtig zu machen – die nächste Abmahnwelle kann auch euch treffen, macht euch nichts vor. Dann heißt es: einen klaren Kopf bewahren, sich rechtlichen Beistand suchen und vor allem – nicht persönlich nehmen. Eine dicke Haut ist euer bester Begleiter durch den Rechtsdschungel, in dem es leider nicht immer ganz fair zugeht.

Spar zur rechten Zeit

Für solche und andere Fälle schadet es außerdem nicht, wenn ihr ein kleines Polster habt, auf das ihr im Fall der Fälle zurückfallen könnt. Sowohl persönlich – ein Gegenüber zum Luftablassen, Abreagieren und Wiederaufbauen kann nie schaden – als auch finanziell. Wenn eure Einnahmen immer exakt eure Ausgaben decken und nie etwas übrig bleibt, ist das auf Dauer schwierig. Ideal ist es, wenn ihr von Anfang an einen kleinen Betrag in der Hinterhand habt, auf den ihr bei unvorhergesehenen Ausgaben zurückgreifen könnt. Wenn der nicht von vorneherein da ist, solltet ihr auf jeden Fall von Anfang an dafür sorgen, dass ein Teil eurer Gewinne für schlechtere Zeiten oder plötzliche Zusatzkosten zurückgelegt wird, damit es euch bei einer Durststrecke nicht direkt kalt erwischt.

Selbstständig im Nebenjob

Eine gute Möglichkeit, das finanzielle Risiko zu minimieren, ist die Gründung im Nebenerwerb. Das hat den großen Vorteil, dass ihr nicht auf direkten Erfolg angewiesen seid, euch erstmal am Markt umsehen, langsam etablieren und den E-Commerce insgesamt mit etwas mehr Gelassenheit betreiben könnt. Konkrete Tipps dafür, wie ihr trotz Ganztagsjob einen erfolgreichen Online-Shop betreiben könnt, haben wir euch schon in einem entsprechenden Artikel zusammengetragen.

Sei für deine Kunden erreichbar

Wenn ihr den Online-Shop „nur“ nebenbei betreibt, müsst ihr ein grundsätzliches Problem direkt zu Beginn lösen: Das der Erreichbarkeit. Eure Kunden erwarten immer mehr, dass sie euch, wenn schon nicht rund um die Uhr, so jedoch zu üblichen Geschäftszeiten schnell und unkompliziert erreichen. Wenn an eurer Servicehotline immer nur der Anrufbeantworter drangeht, ist das für Kunden mit dringenden Fragen ziemlich frustrierend. Und auch E-Mails sollten möglichst innerhalb weniger Stunden, wenn nicht umgehend, beantwortet werden. Macht euch also frühzeitig Gedanken, wie ihr das lösen könnt, wenn ihr parallel noch von 8 bis 17 Uhr einem anderen Job nachgeht. Zum Beispiel, indem ihr ein externes Callcenter beauftragt.

Das Büro im Home-Office

Wer kein hohes Startkapital investieren kann, betreibt seinen Online-Shop häufig von zu Hause aus. Das ist auch erstmal überhaupt kein Problem, solange ihr dabei ein paar Dinge beachtet. Habt ihr genügend gut zugänglichen Lagerraum für eure Waren? Und Platz für eine vernünftige Packstation? Wenn ihr Waren und womöglich auch Verpackungsmaterial täglich aus der hintersten Ecke des Kellers holen müsst, geht für diesen Schritt des Verkaufsprozesses mehr Zeit drauf als angemessen.

Nächster Schritt: Wie kommen die fertigen Pakete auf den Weg? Bringt ihr sie zur nächsten Post oder zum nächsten Paketshop? Oder vereinbart ihr eine tägliche bzw. regelmäßige Abholung? Wenn ja: Machen da die Nachbarn mit? Wenn täglich 20 Pakete aus dem 5. Stock durchs Treppenhaus getragen werden, ist das weder für den Paketboten noch für die Nachbarn ein Grund zur Freude.

Deutlich problemloser lässt sich ein Shop von zu Hause aus betreiben, wenn ihr den Versandprozess an einen externen Fulfillment-Dienstleister auslagert und hauptsächlich Bürotätigkeiten übrigbleiben. Aber auch da gibt es Dinge zu berücksichtigen: Beispielsweise: Wie verhindert ihr es, dass der Nachwuchs im Hintergrund einen gut hörbaren Wutanfall bekommt, während ihr gerade einen Kunden am Telefon habt? Hier sind möglichst gut abgetrennte Räumlichkeiten, bei größeren Kindern klare Regeln – oder auch wieder das Callcenter gefragt.

Backup-Plan für Urlaub und Krankheit

So motiviert ihr auch seid und so fit ihr euch auch fühlt: Irgendwann seid auch ihr mal krank. Und sogar Selbstständige brauchen mal Urlaub. Für solche Momente, in denen ihr selber nicht zur Verfügung steht, solltet ihr einen Backup-Plan haben – und zwar sowohl für geplante als auch für nicht-geplante Abwesenheiten. Weist also möglichst früh jemanden in die Arbeitsabläufe eures Shops ein, damit ihr im Fall der Fälle auch mal von hier auf jetzt die Zügel aus der Hand geben könnt.

Und wer weiß – vielleicht läuft der Laden ja bald so gut, dass ihr euch Angestellte leisten könnt? Das dann selbstverständliche Delegieren und Abgeben von Verantwortung kann man gar nicht früh genug üben. Denn schließlich kann es kaum einen besseren Erfolgsbeweis geben, als wenn ihr irgendwann vom Gründer zum Arbeitgeber werdet. Viel Erfolg dabei!

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Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner ist Spezialistin für Internationalisierung und Qualitätssicherung in Web & Print, mit einem Schwerpunkt im E-Commerce. Unternehmen aus der digitalen Welt unterstützt sie beim (grenzüberschreitenden) Content Marketing. Als Fachautorin schreibt sie über Themen aus den Bereichen IT, Web und E-Commerce.

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