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Eigener Online-Shop: So nimmst du die ersten Hürden – Teil 2

Im ersten Teil unserer Serie haben wir für euch bereits zusammengefasst, was ihr als Gründer eines Online-Shops beachten und welche Pflichttexte ihr in euren Shop aufnehmen müsst. Diesmal verraten wir euch, was in punkto Produktinformationen und Bestellprozess alles zu beachten ist.

Bitte beachte: Die folgenden Ausführungen sind eine Zusammenfassung unseres Wissensstandes und ersetzen keine Rechtsberatung!

Produktinformationen

Die Produktinformationen sind das zentrale inhaltliche Element deines Shops. Sie sollten ansprechend gestaltet sein, müssen aber auch so einige rechtliche Vorgaben erfüllen.

Produkttexte

Deine Produktbeschreibungen müssen wahrheitsgemäß sein und alle für die Kaufentscheidung wesentlichen Merkmale und Eigenschaften enthalten. Der Händlerbund nennt als wesentliche Merkmale unter anderem:

  • Bezeichnung,
  • Hersteller,
  • Typ des Produkts,
  • Maße bzw. Mengenangaben,
  • Farbe,
  • Zustand des Produkts sowie
  • technische Daten

Außerdem gibt es für manche Produkte auch gesetzlich vorgeschriebene Informationen, wie zum Beispiel die Kennzeichnung der verwendeten Fasern bei Textilien.

Wichtig: Produktbeschreibungen solltest du immer selbst erstellen und nicht einfach von der Konkurrenz abschreiben, denn schließlich gilt auch hier das Urheberrecht. Und duplizierte Texte wirken sich schließlich auch auf die Suchmaschinenoptimierung negativ aus. Darüber hinaus gilt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (beispielsweise dem CE-Siegel) in Produkttexten ist nicht erlaubt.

Produktbilder

Urheberrechte sind auch beim Einsatz von Produktbildern ein zentrales Kriterium. Bilder aus fremden Quellen oder selbst Bilder des Herstellers darfst du nur dann verwenden, wenn du dazu die ausdrückliche Zustimmung des Rechteinhabers hast. Hier kannst du nachlesen, wie du mit einfachen Mitteln deine eigenen Produktbilder anfertigen kannst.

Bilder sollten das Produkt so realistisch wie möglich abbilden. Das beginnt damit, dass das abgebildete Produkt auch tatsächlich dem beschriebenen und verkauften Produkt entsprechen muss. Außerdem müssen die Produktfotos den Angebotsumfang vollständig wiedergeben. Sollten auf deinen Foto Accessoires abgebildet sein, die nicht im Lieferumfang enthalten sind, musst du zumindest sehr deutlich in der Nähe des Fotos darauf hinweisen, dass sie nicht zum Lieferumfang dazugehören.

Grauzone

Ob eine solche textliche Klarstellung ausreicht, ist derzeit nicht ganz klar. Zuletzt gab es im Frühjahr 2015 eine Entscheidung des Landgerichts Arnsberg, in der es um den Verkauf eines Sonnenschirms ging, der inklusive Ständer und Bodenplatten abgebildet war, während der Lieferumfang nur den Schirm und den Ständer enthielt, ohne Bodenplatten. Obwohl in der Artikelbeschreibung hierauf hingewiesen wurde, gab das Landgericht Arnsberg dem Kläger Recht. Ob sich diese Rechtsprechung in der Praxis durchsetzt, bleibt abzuwarten

Preisangaben

Bei der Angabe von Preisen sind die gesetzlichen Vorschriften der Preisangabenverordnung (PAngV) zu berücksichtigen. Dabei gilt vor allem:

  • Richtet dein Shop sich an Endverbraucher, müssen alle Preise inklusive Mehrwertsteuer angezeigt werden (sog. Endpreise). Außerdem solltest du immer angeben, dass der Preis die gesetzliche Mehrwertsteuer enthält – natürlich nur dann, wenn das auch der Fall ist (siehe Kleinunternehmerregelung).
  • Verkaufst du Produkte an Endverbraucher, die auf Basis von Gewicht, Größe/Volumen, Länge oder Fläche angeboten werden, musst du neben dem Endpreis/Gesamtpreis auch einen Grundpreis pro Meter, Quadratmeter, Kilogramm oder Liter angeben. Der Grundpreis muss zusammen mit dem Gesamtpreis direkt erkennbar sein, darf dabei aber nicht optisch hervorgehoben werden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen zur Grundpreisangabe findest du beim Händlerbund.
  • Bevor dein Kunde ein Produkt in den Warenkorb legen kann, musst du ihn außerdem auf eventuell anfallende Versandkosten hinweisen. Dazu genügt entweder ein Sternchenverweis oder ein sprechender Link (zum Beispiel „zzgl. Versandkosten“), der auf eine ausführlichere Erläuterung der Versandkosten verweist.

Verfügbarkeit/Liefertermin

Deine Produktdarstellung muss deinen Kunden außerdem über den Termin informieren, bis zu dem er die Ware geliefert bekommt – und zwar möglichst konkret.

Das heißt in der Praxis: Keine Schätzwerte und Formulierungen wie „ca.“, „voraussichtlich“ oder „in der Regel“, sondern konkrete und realistische Lieferfristen, wie etwa „Lieferzeit 2-4 Tage“.

Bestellprozess

Während des Bestellprozesses sollten alle Informationen so transparent wie möglich kommuniziert werden.

Auf der Bestellübersichtsseite, also auf der letzten Seite des Checkouts, auf der der Kunde die Bestellung verbindlich abschickt, musst du die folgenden Informationen „klar und verständlich in hervorgehobener Weise“ (§ 312 j BGB) zusammenfassen:

  • die „wesentlichen Eigenschaften“ bzw. kaufentscheidenden Produktinformationen für jedes im Warenkorb befindliche Produkt (siehe oben),
  • den Gesamtpreis einschließlich aller Steuern und Abgaben,
  • Versandkosten sowie eventuelle Zusatzkosten,
  • beim Abschluss von Verträgen: die Laufzeit sowie Kündigungsbedingungen.

Diese Pflichtinformationen müssen unmittelbar vor dem Bestellbutton aufgelistet werden.

Aus der Benennung des Bestellbuttons muss die Kostenpflichtigkeit der Bestellung hervorgehen. Neben der offiziell bevorzugten Bezeichnung „Kostenpflichtig bestellen“ oder „Zahlungspflichtig bestellen“ wird auch das etwas weniger holprige „Jetzt kaufen“ akzeptiert.

Konkrete Gestaltungsvorschläge und weitergehende Hinweise zur „Button-Lösung“ findest du zum Beispiel im Whitepaper „Die rechtssichere Bestellübersicht“ des Händlerbunds.

Fazit: Wie im Laden

Im großen und ganzen muss dem Käufer völlig klar sein, was er kauft. So, als hätte er das Produkt in der Hand während er im Laden steht. Darüber hinaus hat diese Genauigkeit bei der Beschreibung der Produkte den Vorteil, dass sich der Händler von der Konkurrenz abhebt und Suchmaschinen mit besseren Informationen füttert. Mehr dazu, wie man seine Produktseite optimiert findet ihr hier: In 3 Sekunden deine Kunden zum Kauf animieren: So verkauft deine Produkt-Seite besser.

So, dann ist ja jetzt alles fertig – oder? Naja, neben den rechtlichen Aspekten gibt es beim Aufbau eines Online-Shops natürlich noch so einiges andere zu bedenken und zu beachten. Worüber du dir sonst so noch Gedanken machen musst, um erfolgreich in den E-Commerce zu starten, verraten wir dir gerne in einem weiteren Artikel unserer E-Commerce-Startup-Serie.


 

Hier geht’s zu Teil 1 unserer Reihe „Eigener Online Shop: So nimmst du die ersten Hürden“.

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Dr. Katja Flinzner

Dr. Katja Flinzner ist Spezialistin für Internationalisierung und Qualitätssicherung in Web & Print, mit einem Schwerpunkt im E-Commerce. Unternehmen aus der digitalen Welt unterstützt sie beim (grenzüberschreitenden) Content Marketing. Als Fachautorin schreibt sie über Themen aus den Bereichen IT, Web und E-Commerce.

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